Modell der Schweizer Botschaft | Berlin

Die Schweizer Botschaft in Berlin nach der Erweiterung durch Diener & Diener

Das Modell zeigt eine Doppelgestalt, in der sich ein asketisch strenger, kubusförmiger Neubau an einen plastisch reich gegliederten Altbau schmiegt. Auch wenn die Unterschiedlichkeit unmissverständlich ist, erkennt man nach und nach die Kommunikation des Jüngeren mit dem Älteren. Spannend sind in diesem Zusammenhang auch die Betrachtungen des Gebäudes übereck.

Bedenkt man die Funktion des Gebäudes, so kann man diese kontrastreiche Setzung nicht anders denn als programmatische und damit auch politische Aussage verstehen. Nicht sofort als neu erkennbar ist am Modell auf der verbleibenden Schmalseite des Altbaus die plastische Arbeit des Künstlers Helmut Federle. Sie kann als zeichenhaftes, überdimensionales Werk konkreter Kunst genauso gelesen werden wie bauwerksbezogen als Fassade, und mit dem Bild leerer Fensterhöhlen auch als Erinnerung an Zerstörung und Wiederaufbau. Die Arbeit greift Eigenschaften und Maße des Bauwerks auf, entwickelt eine eigene Systematik und bricht sie auch wieder.

Das Modell als Konzeptdarstellung, nicht als Abbild

In der Modelldarstellung sind die plastischen Werte an der Oberfläche der Gebäudegruppe betont. Auf eine Vertiefung und Klärung durch weitere Detaillierung ist bewusst verzichtet. Nischen, vermauerte Fensterhöhlen und Fenster sehen damit zum Beispiel gleich aus. Das Modell ist nicht als verkleinertes Abbild der realen Architektur zu begreifen, sondern als Konzeptdarstellung, als plastisches Konzeptbild einer Verbindung zweier unterschiedlicher Protagonisten zu einer neuen Einheit. Die Brisanz einer solchen Botschaft lässt sich ermessen, wenn man an die aktuelle Debatte um Diversität denkt und die Frage, ob und wie ein Zusammensein des Verschiedenen vorstellbar und möglich ist.

Bei dem Modell der Schweizer Botschaft in Berlin handelt es sich um die Doppelung eines baugleichen Objekts, das zum Zeitpunkt der Ausstellung nicht zur Verfügung stand.

Eckdaten

ORT
Architekturmuseum TU München, bis 9. Januar 2005

MASSSTAB
1:100

MATERIAL

Birke massiv

AUSFÜHRUNG
2004

FERTIGUNGSUMFANG
220 h

AUFTRAGGEBER
Diener & Diener, Architekten, Basel

BEARBEITER
Peter Götz, Claudius Karlinger, Jan Kurz, Gerhard Wandinger

FOTO
Franz Wimmer, München

3.2.2021