Gartenmodell Veitshöchheim

Modell von Schloss und Hofgarten

Das Gartenmodell Veitshöchheim zeigt dem Besucher den Hofgarten auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung in der Fassung des Rokoko und vermittelt einen Überblick über die Gesamtanlage, die nach Umgriff und Detaillierung heute nur noch in Teilen erlebbar ist.

Der Bau des Modells für Veitshöchheim war in jeder Hinsicht eine außergewöhnliche Arbeit. Auf der Grundlage des historischen Oth-Plans und einer modernen Umzeichnung war der Rokokogarten räumlich-plastisch umzusetzen und farblich zu gestalten. Zwischen natürlicher Anmutung als Garten und notwendiger Abstraktion zur Verdeutlichung des Charakters als komponiertem Kunstwerk war für das Gartenmodell die richtige Balance zu finden.

Umsetzung Gartenmodell

Die Ästhetik des Rokoko bedeutete eine besondere Herausforderung. Die auf Wiederholung basierende Logik der Anordnung selbständiger Einzelteile zu übergeordneten Ausdruckseinheiten (bei Fehlen jeder körperlichen oder inhaltlichen Zwischenebene) erwies sich als besonders widerständig gegen Abstraktion. Eine Teil-für-Teil-Darstellung war die Folge bei bisweilen sehr eigenwilligem Formausdruck des Einzelteils. Aufgrund der zierlichen maßlichen Ansätze – Tendenz einer Reduzierung oder Auflösung von Körperlichkeit – erreichten viele Detailobjekte des Modells trotz des gegenüber anderen gefertigten Gartenmodellen vergrößerten Maßstabs von 1:333 nur mehr die Größe weniger Millimeter. (Die Kronen der ca. 260 Kesselbäume messen weniger als 5 mm im Durchmesser bei knapp 4 mm Höhe.) Der Verzicht auf Darstellung z.T. noch kleinerer maßstäblicher Ebenen wie der Gartenmöblierung (Figuren, Bänke) verbot sich von Auftraggeberseite her, weil er den Verzicht auf ganze Inhaltsschichten des Gartens bedeutet hätte. Insgesamt gibt es etwa 1200 Baum- und 300 Figurenobjekte in diesem Gartenmodell zu sehen.

Bei der Ordnung und Austarierung der nicht reduzierbaren Fülle plastischer Teile spielte die Farbgebung eine moderierende Rolle. Von ihr rührt zugleich die stimmungsmäßige Ausstrahlung des Modells. Für die Geländedarstellung wurden vier Farben unterschieden (Wege, Ackerboden, Grün und Wasser), für die Vegetation zwei weitere (Laub- und Nadelgewächse).

Die von der Topographie herrührende, leicht zu übersehende Verschränkung von Höhenschichtung und gartengestalterischer Überspielung des ansteigenden Geländes erwies sich als erheblicher handwerklicher Aufwand. Jede Labyrinthhecke hat beispielsweise eine glatt angeschrägte Ober- und eine getreppte Unterseite. Zu den gewohnten Fertigungsverfahren wie CNC-Fräsen zur Herstellung des Geländemodells sowie der Komponenten für die Architekturen und einem besonders ausgeprägten Teil Handarbeit bei der Herstellung der Baum- und Figurenelemente gesellten sich weitere Techniken: Ätzteile für Treillagen, Zäune und Torgitter, sowie Siebdruck zur Darstellung der Ornamentik auf dem Parterre.

Minutiös in der maßlichen Genauigkeit, besonders auch in der für den Garten wichtigen Differenziertheit der Höhen, breitet das Gartenmodell bei größter Sorgfalt der Verarbeitung sein Anschauungsmaterial aus. Es erfordert einen neugierigen und geduldigen Betrachter, der sich – in der gleichen Hingabe wie der Macher beim Bau – ans Sichten, Ordnen und Verstehen macht.

Querverweise

Für die gleiche Ausstellung haben wir zwei weitere Modelle gefertigt: Einen Kesselbaum im Maßstab 1:10 und eine szenographische Guckkastendarstellung des Heckentheaters.

Ein weiteres interaktives Objekt zur Wasserversorgung im Garten haben wir konzeptionell vorbereitet.

Verwandt im Thema, aber der Intention nach und daher in der Art der Darstellung vollkommen anders ist das Tastmodell Bad Homburg.

Eckdaten

MASSSTAB
1:333

MASSE
ca. 181,1  x 94,4  x 20 cm (L x B x H)

MATERIAL
Gelände Polyurethanschaum, Gebäude vorwiegend Acrylglas, beides lackiert und farbig gefasst; Baumobjekte aus Hart- und Weichschäumen geformt, beflockt und farbig gefasst, allein bei Nadelbäumen Verwendung überarbeiteter bürstenähnlicher Rohlinge; für Zäune, Tore und Treillagen Ätzteile, teilweise verformt; für die Parkettdarstellung Siebdruck; Skulpturen aus beschnitztem Polyurethanschaum

AUSFÜHRUNG
2004/05

FERTIGUNGSUMFANG
3000 h

AUFTRAGGEBER
Staatl. Hochbauamt Würzburg im Auftrag der Bayerischen Verwaltung der Staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, Projektbetreuung: Jost Albert.

ORT
Schloss Veitshöchheim in der Dauerausstellung.

BEARBEITER
Peter Götz, Claudius Karlinger, Elisabeth Lukas-Götz, Eva Schiller, Gerhard Wandinger

VERÖFFENTLICHUNG
Jost Albert und Gabriele Ehberger, „es kommen immer Leit aus Würzburg und Frembde hierher…“. Begleitheft zur Ausstellung, München 2006, S. 16f.; Gabriele Ehberger, „wann der garten wird in seinen stand komen, dörfte er villen beyfall finden“. Der Hofgarten Veitshöchheim, in: Schönere Heimat 2008/1, S. 3-8; Schloss und Garten Veihtshöchheim. Amtlicher Führer, bearb. von Jost Albert und Werner Helmberger, München 2009, S. 28, 31, 102, 115, 152, 171.

FOTOS
Maria Scherf, Bayerische Schlösserverwaltung

PLAN
Bayerische Schlösserverwaltung, Gärtenabteilung – Plansammlung: VH 01-05-05

schloesser-bayern.de